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author Carsten Gips (HSBI)
title Git1: Basics der Versionsverwaltung mit Git

::: tldr In der Softwareentwicklung wird häufig ein Versionsmanagementsystem (VCS) eingesetzt, welches die Verwaltung von Versionsständen und Änderungen ermöglicht. Ein Repository sammelt dabei die verschiedenen Änderungen (quasi wie eine Datenbank der Software-Versionsstände). Die Software Git ist verbreiteter Vertreter und arbeitet mit dezentralen Repositories.

Ein neues lokales Repository kann man mit git initanlegen.Der Befehl legt im aktuellen Projektordner einen versteckten Unterordner .git/ an (FINGER WEG!). anderen Unterordner im aktuellen Ordner können nun der Versionskontrolle hinzugefügt werden. Der Projektordner selbst (mit Ihren Quelltexten) ist die Workingcopy.

Ein bereits existierendes Repo kann mit git clone <url> geklont werden.

Änderungen an Dateien (in der Workingcopy) werden mit git add zum "Staging" (Index) hinzugefügt. Dies ist eine Art Sammelbereich für Änderungen, die mit dem nächsten Commit in das Repository überführt werden. Neue (bisher nicht versionierte Dateien) müssen ebenfalls zunächst mit git add zum Staging hinzugefügt werden.

Änderungen kann man mit git log betrachten, dabei erhält man u.a. eine Liste der Commits und der jeweiligen Commmit-Messages.

Mit git diff kann man gezielt Änderungen zwischen Commits oder Branches betrachten.

Mit git tag kann man bestimmte Commits mit einem "Stempel" (zusätzlicher Name) versehen, um diese leichter finden zu können.

Wichtig sind die Commit-Messages: Diese sollten eine kurze Zusammenfassung haben, die aktiv formuliert wird (was ändert dieser Commit: "Formatiere den Java-Code entsprechend Style"; nicht aber "Java-Code nach Style formatiert"). Falls der Kommentar länger sein soll, folgt eine Leerzeile auf die erste Zeile (Zusammenfassung) und danach ein Block mit der längeren Erklärung. :::

::: youtube Vorlesung [YT], [HSBI]

Demos:

  • Konfiguration [YT], [HSBI]
  • Erstellung Repo [YT], [HSBI]
  • Dateien hinzufügen [YT], [HSBI]
  • Arbeitsablauf: Datei ändern - stagen - committen [YT], [HSBI]
  • Hinzufügen zu Commits (Amend) [YT], [HSBI]
  • Anschauen von Änderungen (Log) [YT], [HSBI]
  • Anschauen von Unterschieden (Diff) [YT], [HSBI]
  • Umgang mit Tags [YT], [HSBI]

Introduction to Git with Scott Chacon of GitHub (erster Teil, bis ca. Minute 45) :::

Prinzip Versionsverwaltung

::::: columns ::: {.column width="48%"} {width="60%" web_width="40%"} :::

::: {.column width="50%"} \vspace{10mm}

  • Repository: (interne) Datenbank mit verschiedenen Versionsständen, Kommentaren, Tags etc.

    ::: notes

    • Technisch ist das das Verzeichnis .git im Projektordner
    • Unterscheidung:
      • Lokales Repository: Das .git-Verzeichnis auf dem lokalen Rechner
      • Remote-Repository: Kopie der Historie auf einem Server (z.B. GitHub, GitLab, Codeberg), Zugriff über Web-GUI oder Netzwerk

    Enthält u.a. alle Commits (Schnappschüsse), alle Blobs (Dateiinhalte), Trees (Verzeichnisstrukturen), Referenzen wie Branches, Tags, HEAD, (lokale) Konfigurationen (z.B. .git/config).

    Das Repository selbst enthält keine "normalen" Dateien, die Sie mit einem Editor öffnen (sollten); es ist ein interner Speicher, den Git verwaltet.

    git clone <url> erstellt aus einem Remote‑Repository eine lokale Kopie (Workingcopy + lokales Repository). :::

  • Workingcopy / Arbeitskopie: Projektordner mit bestimmtem Versionsstand

    ::: notes Das ist der Projektordner, das Sie in der IDE oder im Editor öffnen, z.B. ~/projekte/shop-system/.

    Der Projektordner, in dem Sie tatsächlich arbeiten (editieren, kompilieren, testen). Nach einem git clone oder git checkout entspricht der Inhalt einem bestimmten Commit. Danach können Sie beliebig neue Dateien anlegen und bestehende Dateien ändern -- diese Änderungen existieren zunächst nur in der Workingcopy, nicht im Repository.

    Die Dateien in der Working Copy können sein:

    • unverändert (entsprechen genau dem letzten Commit),
    • modifiziert (geändert seit dem letzten Commit),
    • neu/untracked (Git kennt sie noch nicht).

    In der Workingcopy gibt es den .git-Ordner (Repository), welcher i.d.R. die gesamte Historie beinhaltet. :::

  • Staging Area / Index: Zwischenablage für Dateistände, Vormerkung für Commit

    ::: notes Dies ist eine Art Zwischenstufe zw. Arbeitsverzeichnis und Repository, in der Änderungen festgehalten werden, die beim nächsten Commit gemeinsam ins Repository geschrieben werden.

    Änderungen landen hier durch das Hinzufügen mit git add. Erst nach einem Commit (git commit) landen diese Änderungen tatsächlich im Repository.

    Eine Datei kann gleichzeitig in drei Ständen existieren:

    • Im letzten Commit (Repository): "offiziell gespeicherter" Stand
    • Im Index (Staging Area): Stand, der für den nächsten Commit vorgemerkt ist
    • In der Workingcopy: aktueller Arbeitsstand im Editor (kann weiter verändert sein) :::
  • Tracked / Untracked Files: versionierte vs. nicht-versionierte Dateien im Arbeitsverzeichnis

    ::: notes

    • "Tracked": Dateien, die Git (im Repository) bereits kennt und versioniert
    • "Untracked": neue Dateien im Arbeitsverzeichnis, von Git (noch) ignoriert
    • git status zeigt diese Unterscheidung sehr gut :::
  • Commit: "Schnappschuss" von Änderungen zu einem bestimmten Zeitpunkt

    ::: notes Enthält Änderungen (Delta) im Vergleich zum Vorgänger-Commit sowie Metadaten (Autor, Datum, Commit-Message, Hash-ID).

    Jeder Commit erhält eine eindeutige Commit-ID (SHA-1-Hash, z.B. a1b2c3d...). Mit dieser ID kann man sich gezielt bestimmte Commits anschauen.

    Bildet einen Knoten im Versionsgraphen - Folgen von Commits nennt man auch "Branch" (das schauen wir uns in der Sitzung Git Branches genauer an). ::: ::: :::::

::: notes

Varianten: Zentrale Versionsverwaltung (Beispiel SVN)

{width="80%" web_width="40%"}

Es gibt ein zentrales Repository (typischerweise auf einem Server), von dem die Developer einen bestimmten Versionsstand "auschecken" (sich lokal kopieren) und in welches sie Änderungen wieder zurück "pushen".

Zur Abfrage der Historie und zum Veröffentlichen von Änderungen benötigt man entsprechend immer eine Verbindung zum Server.

Varianten: Verteilte Versionsverwaltung (Beispiel Git)

{width="80%" web_width="60%"}

In diesem Szenario hat jeder Developer nicht nur die Workingcopy, sondern auch noch eine Kopie des Repositories. Zusätzlich kann es einen oder mehrere Server geben, auf denen dann nur das Repository vorgehalten wird, d.h. dort gibt es normalerweise keine Workingcopy. Damit kann unabhängig voneinander gearbeitet werden.

Allerdings besteht nun die Herausforderung, die geänderten Repositories miteinander abzugleichen. Das kann zwischen dem lokalen Rechner und dem Server passieren, aber auch zwischen zwei "normalen" Rechnern (also zwischen den Developern).

Hinweis: GitHub ain't no Git! Git ist eine Technologie zur Versionsverwaltung. Es gibt verschiedene Implementierungen und Plugins für IDEs und Editoren. GitHub ist dagegen ein Dienstleister, wo man Git-Repositories ablegen kann und auf diese mit Git (von der Konsole oder aus der IDE) zugreifen kann. Darüber hinaus bietet der Service aber zusätzliche Features an, beispielsweise ein Issue-Management oder sogenannte Pull-Requests. Dies hat aber zunächst mit Git nichts zu tun. Weitere populäre Anbieter sind beispielsweise Bitbucket oder Gitlab oder Gitea, wobei einige auch selbst gehostet werden können. :::

Versionsverwaltung mit Git: Typische Arbeitsschritte

  1. Repository anlegen (oder clonen)

\bigskip

  1. Dateien neu erstellen (und löschen, umbenennen, verschieben)
  2. Änderungen einpflegen ("committen")
  3. Änderungen und Logs betrachten
  4. Änderungen rückgängig machen
  5. Projektstand markieren ("taggen")

\bigskip

  1. Entwicklungszweige anlegen ("branchen")
  2. Entwicklungszweige zusammenführen ("mergen")

\bigskip

  1. Änderungen verteilen (verteiltes Arbeiten, Workflows)

::: notes

(Globale) Konfiguration

Minimum:

  • git config --global user.name <name>
  • git config --global user.email <email>

Diese Konfiguration muss man nur einmal machen.

Wenn man den Schalter --global weglässt, gelten die Einstellungen nur für das aktuelle Projekt/Repo.

Zumindest Namen und EMail-Adresse muss man setzen, da Git diese Information beim Anlegen der Commits speichert (== benötigt!).

\bigskip \bigskip

Aliase:

  • git config --global alias.ci commit
  • git config --global alias.co checkout
  • git config --global alias.br branch
  • git config --global alias.st status
  • git config --global alias.ll 'log --all --graph --decorate --oneline'

Zusätzlich kann man weitere Einstellungen vornehmen, etwa auf bunte Ausgabe umschalten: git config --global color.ui auto oder Abkürzungen (Aliase) für Befehle definieren: git config --global alias.ll 'log --all --oneline --graph --decorate' ...

Git (und auch GitHub) hat kürzlich den Namen des Default-Branches von master auf main geändert. Dies kann man in Git ebenfalls selbst einstellen: git config --global init.defaultBranch <name>.

Anschauen kann man sich die Einstellungen in der Textdatei ~/.gitconfig oder per Befehl git config --global -l. :::

Neues Repo anlegen

  • git init

    => Erzeugt neues Repository im akt. Verzeichnis

\bigskip

  • git clone <url>

    => Erzeugt (verlinkte) Kopie [des Repos unter <url>]{.notes}

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Dateien unter Versionskontrolle stellen

\bigskip

{width="80%" web_width="60%"}

::: notes

  1. git add . (oder git add <file>)

    => Stellt alle Dateien (bzw. die Datei <file>) im aktuellen Verzeichnis unter Versionskontrolle

  2. git commit

    => Fügt die Dateien dem Repository hinzu :::

\bigskip \bigskip

Abfrage mit git status

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Änderungen einpflegen

\bigskip

{width="70%" web_width="50%"}

\bigskip

  • Abfrage mit: git status
  • "Staging" von modifizierten Dateien: git add <file>
  • Committen der Änderungen im Stage: git commit

::: notes Anmerkung: Alternativ auch mit git commit -m "Kommentar", um das Öffnen des Editors zu vermeiden ... geht einfach schneller ;) :::

::: notes Das "staging area" stellt eine Art Zwischenebene zwischen Working Copy und Repository dar: Die Änderungen sind temporär "gesichert", aber noch nicht endgültig im Repository eingepflegt ("committed").

Man kann den Stage dazu nutzen, um Änderungen an einzelnen Dateien zu sammeln und diese dann (in einem Commit) gemeinsam einzuchecken.

Man kann den Stage in der Wirkung umgehen, indem man alle in der Working Copy vorliegenden Änderungen per git commit -a -m "Kommentar" eincheckt. Der Schalter "-a" nimmt alle vorliegenden Änderungen an bereits versionierten Dateien, fügt diese dem Stage hinzu und führt dann den Commit durch. Das ist das von SVN bekannte Verhalten. Achtung: Nicht versionierte Dateien bleiben dabei außen vor! :::

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Letzten Commit ergänzen

  • git commit --amend -m "Eigentlich wollte ich das so sagen"

    ::: notes Wenn keine Änderungen im Stage sind, wird so die letzte Commit-Message geändert. :::

\bigskip

  • git add <file>; git commit --amend

    ::: notes Damit können vergessene Änderungen an der Datei <file> zusätzlich im letzten Commit aufgezeichnet werden.

    In beiden Fällen ändert sich die Commit-ID! :::

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

::: notes

Weitere Datei-Operationen: hinzufügen, umbenennen, löschen

  • Neue (unversionierte) Dateien und Änderungen an versionierten Dateien zum Staging hinzufügen: git add <file>
  • Löschen von Dateien (Repo+Workingcopy): git rm <file>
  • Löschen von Dateien (nur Repo): git rm --cached <file>
  • Verschieben/Umbenennen: git mv <fileAlt> <fileNeu>

Aus Sicht von Git sind zunächst alle Dateien "untracked", d.h. stehen nicht unter Versionskontrolle.

Mit git add <file> (und git commit) werden Dateien in den Index (den Staging-Bereich, d.h. nach dem Commit letztlich in das Repository) aufgenommen. Danach stehen sie unter "Beobachtung" (Versionskontrolle). So lange, wie eine Datei identisch zur Version im Repository ist, gilt sie als unverändert ("unmodified"). Eine Änderung führt entsprechend zum Zustand "modified", und ein git add <file> speichert die Änderungen im Stage. Ein Commit überführt die im Stage vorgemerkte Änderung in das Repo, d.h. die Datei gilt wieder als "unmodified".

Wenn eine Datei nicht weiter versioniert werden soll, kann sie aus dem Repo entfernt werden. Dies kann mit git rm <file> geschehen, wobei die Datei auch aus der Workingcopy gelöscht wird. Wenn die Datei erhalten bleiben soll, aber nicht versioniert werden soll (also als "untracked" markiert werden soll), dann muss sie mit git rm --cached <file> aus der Versionskontrolle gelöscht werden. Achtung: Die Datei ist dann nur ab dem aktuellen Commit gelöscht, d.h. frühere Revisionen enthalten die Datei noch!

Wenn eine Datei umbenannt werden soll, geht das mit git mv <fileAlt> <fileNeu>. Letztlich ist dies nur eine Abkürzung für die Folge git rm --cached <fileAlt>, manuelles Umbenennen der Datei in der Workingcopy und git add <fileNeu>. :::

Commits suchen und betrachten

  • Liste aller Commits: git log
    • git log -<n> oder git log --since="3 days ago" [Meldungen eingrenzen ...]{.notes}
    • git log --stat [Statistik ...]{.notes}
    • git log --author="pattern" [Commits eines Autors]{.notes}
    • git log <file> [Änderungen einer Datei]{.notes}

\bigskip

  • Inhalt eines Commits: git show

::: notes Anmerkung: Ausgewählte interessante Optionen für git log:

Für git log gibt es eine schöne Option -p, die einen "Patch" ausgibt: Gelöschte Zeilen werden mit einem "-" und hinzugefügte Zeilen werden mit einem "+" angezeigt. Zusätzlich werden jeweils noch ein paar ungeänderte Zeilen vor und nach der Änderung angezeigt.

Mit der Option -S'<SUCHSTRING>' zeigt git log alle Commits an, in deren Diff sich die Anzahl der Vorkommen des Suchstrings ändert. Beispielsweise wenn in einem Commit der Suchstring neu eingefügt wurde, ändert sich die Anzahl von 0 auf 1. Beispiel: Wir suchen nach allen Commits, in denen der Begriff "foobar" neu hinzukommt oder verschwindet oder sich verdoppelt: git log -p -S'foobar'.

Oft hilft -S nicht richtig, weil man Commits haben möchte, in deren Diff sich etwas in der selben Zeile ändert, in der der Suchstring vorkommt, aber nicht der Suchbegriff selbst. Da sich hier die Anzahl des Suchstrings im Diff nicht unbedingt ändert, würden diese Commits nicht angezeigt. Beispiel: Wir suchen nach allen Commits mit Änderungen des Zahlenwerts in der Zeile foobar 10. Hier hilft die Option -G'<REGEX>': Damit werden alle Commits gefunden, in deren Diff sich in den Zeilen mit dem Suchausdruck etwas ändert: git log -p -G'foobar' findet alle Zeilen im Diff, wo "foobar" vorkommt, d.h. wenn sich beispielsweise die Zeile von foobar 3 auf foobar 10 ändert. Vorsicht: Im Unterschied zu -S ist hier der Suchstring ein regulärer Ausdruck (Regex). Git verwendet dabei eine etwas spezielle Regex-Syntax (siehe Git-Dokumentation).

Wenn man nicht nach Änderungen im Diff, sondern stattdessen nach Begriffen in den Commit-Messages suchen möchte, kann man die Option --grep='<SUCHSTRING>' nutzen. Auch hier ist <SUCHSTRING> ein regulärer Ausdruck.

Wenn man die gefundenen Stellen auf einen bestimmten Pfad (Datei) begrenzen möchte, kann man -- pfad/zur/datei.md hinten an den Log-Befehl anhängen. Beispielsweise würde git log -p -G'foobar' -- foo/bar.txt alle Commits finden, in deren Diff "foobar" vorkommt und die die Datei foo/bar.txt betreffen.

Normalerweise arbeitet sich git log vom jüngsten zum ältesten Commit durch, geht also in der Geschichte zurück. Wenn man die Reihenfolge umkehren möchte, kann man noch --reverse als zusätzliche Option nutzen. Man kann auch einen "Commit-Range" angeben, etwa 5c73aca..cb73f92.

Die Option --all zeigt alle Branches an, also nicht nur die Änderungen auf dem aktuell ausgecheckten Branch. Mit der zusätzlichen Option --graph bekommt man in der Konsole eine hübsche kleine baumartige Struktur angezeigt.

Mit der Option --oneline wird der ausgegebene Log abgekürzt und pro Commit nur die wichtigsten Dinge (SHA-ID und abgekürzte Commit-Message) ausgegeben.

Ich persönlich nutze häufig git log --all --graph --oneline und habe mir dazu einen Alias (s.o.) angelegt. :::

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Änderungen und Logs betrachten

  • git diff [<file>]

    Änderungen zwischen Workingcopy und letztem Commit (ohne Stage)

    ::: notes Das "staging area" wird beim Diff von Git behandelt, als wären die dort hinzugefügten Änderungen bereits eingecheckt (genauer: als letzter Commit im aktuellen Branch im Repo vorhanden). D.h. wenn Änderungen in einer Datei mittels git add <datei> dem Stage hinzugefügt wurden, zeigt git diff <datei> keine Änderungen an! :::

\smallskip

  • git diff commitA commitB

    Änderungen zwischen Commits

::: notes Git arbeitet zeilenbasiert. Änderungen an einem Wort tauchen also im Diff immer als ganze geänderte Zeile auf. (Das ist auch ein guter Grund, die Zeilenlänge zu begrenzen!)

Gelöschte Zeilen werden mit einem "-" und hinzugefügte Zeilen werden mit einem "+" angezeigt. Zusätzlich werden jeweils noch ein paar ungeänderte Zeilen vor und nach der Änderung angezeigt. :::

\bigskip

  • Blame: git blame <file>

    Wer hat was wann gemacht?

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Dateien ignorieren: .gitignore

::: notes

  • Nicht alle Dateien gehören ins Repo:
    • generierte Dateien: .class
    • temporäre Dateien
  • Datei .gitignore anlegen und committen
    • Wirkt auch für Unterordner
    • Inhalt: Reguläre Ausdrücke für zu ignorierende Dateien und Ordner :::
    # Compiled source #
    *.class
    *.o
    *.so

    # Packages #
    *.zip

    # All directories and files in a directory #
    bin/**/*

[man 5 gitignore]{.ex href="https://linux.die.net/man/5/gitignore"}

::: notes

Zeilenenden: Windows vs. der Rest der Welt

Windows nutzt CRLF (\r\n) als Zeilenende, der Rest der Welt arbeitet mit LF (\n). Git versucht das zu erkennen und beim Commit bzw. Checkout automatisch zu konvertieren (z.B. alles im Repository als LF zu speichern und lokal auf Windows mit CRLF auszuchecken). Da es dabei oft Schwierigkeiten gibt und Warnungen wie "LF will be replaced by CRLF the next time Git touches it" auftauchen, kann man im Projekt eine Datei .gitattributes anlegen.

Hier ein Beispiel mit einer minimalen Konfiguration, die ich häufig verwende:

* text=auto eol=lf

*.cmd text eol=crlf
*.bat text eol=crlf

Das sagt Git, dass es Text-Dateien automatisch erkennen soll und sie im Repository mit LF (\n) als Zeilentrenner speichern soll. In der Workingcopy werden diese Dateien dann ebenfalls mit LF (\n) ausgecheckt - auch unter Windows. Für Dateien, die für Windows wichtig sind (beispielsweise die gradlew.bat), geben die letzten beiden Zeilen explizit an, dass Git sie in der Workingcopy mit Windows-üblichen Zeilenenden CRLF (\r\n) auschecken soll. Im Repository liegen sie trotzdem normalisiert mit LF (\n). So bleiben die Skripte unter Windows funktionsfähig, ohne dass jede:r Entwickler:in die eigene Git-Konfiguration anpassen muss.

Siehe auch man 5 gitattributes. :::

Zeitmaschine

  • Änderungen in Workingcopy rückgängig machen

    • Änderungen nicht in Stage: git checkout <file> oder git restore <file>
    • Änderungen in Stage: git reset HEAD <file> oder git restore --staged <file>

    ::: notes => Hinweise von git status beachten! :::

\bigskip

  • Datei aus altem Stand holen:
    • git checkout <commit> <file>, oder
    • git restore --source <commit> <file>
  • Commit verwerfen, Geschichte neu: git revert <commit>

::: notes Hinweis: In den neueren Versionen von Git ist der Befehl git restore hinzugekommen, mit dem Änderungen rückgängig gemacht werden können. Der bisherige Befehl git checkout steht immer noch zur Verfügung und bietet über git restore hinaus weitere Anwendungsmöglichkeiten. :::

\bigskip

  • Stempel (Tag) vergeben: git tag <tagname> <commit>
  • Tags anzeigen: git tag und git show <tagname>

[[Konsole]{.ex}]{.slides}

Wann und wie committen?

\Large

::: center Jeder Commit stellt einen Rücksetzpunkt dar! :::

\normalsize \bigskip \bigskip \bigskip

[Typische Regeln:]{.notes}

  • Kleinere "Häppchen" einchecken: ein Feature oder Task [(das nennt man auch atomic commit: das kleinste Set an Änderungen, die gemeinsam Sinn machen und die ggf. gemeinsam zurückgesetzt werden können)]{.notes}
  • Logisch zusammenhängende Änderungen gemeinsam einchecken
  • Projekt muss nach Commit compilierbar sein
  • Projekt sollte nach Commit lauffähig sein

::: notes Ein Commit sollte in sich geschlossen sein, d.h. die kleinste Menge an Änderungen enthalten, die gemeinsam einen Sinn ergeben und die (bei Bedarf) gemeinsam zurückgesetzt oder verschoben werden können. Das nennt man auch atomic commit.

Wenn Sie versuchen, die Änderungen in Ihrem Commit zu beschreiben (siehe nächste Folie "Commit-Messages"), dann werden Sie einen atomic commit mit einem kurzen Satz (natürlich im Imperativ!) beschreiben können. Wenn Sie mehr Text brauchen, haben Sie wahrscheinlich keinen atomic commit mehr vor sich.

Lesen Sie dazu auch How atomic Git commits dramatically increased my productivity - and will increase yours too. :::

Schreiben von Commit-Messages: WARUM?!

::: notes Schauen Sie sich einmal einen Screenshot eines git log --oneline 61e48f0..e2c8076 im Dungeon-CampusMinden/Dungeon an:

{web_width="60%"}

Nun stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Suche nach Informationen, suchen einen bestimmten Commit oder wollen eine bestimmte Änderung finden ...

Wenn man das genauer analysiert, dann stören bestimmte Dinge:

  • Mischung aus Deutsch und Englisch
  • "Vor-sich-hin-Murmeln": "Layer system 5"
  • Teileweise werden Tags genutzt wie [BUG], aber nicht durchgängig
  • Mischung zwischen verschiedenen Formen: "Repo umbenennen", "Benenne Repo um", "Repo umbenannt"
  • Unterschiedliche Groß- und Kleinschreibung
  • Sehr unterschiedlich lange Zeilen/Kommentare

Das Beachten einheitlicher Regeln ist enorm wichtig!

Leider sagt sich das so leicht - in der Praxis macht man es dann doch schnell wieder unsauber. Dennoch, auch im Dungeon-Repo gibt es einen positiven Trend (git log --oneline 8039d6c..7f49e89):

{web_width="80%"}

Typische Regeln und Konventionen tauchen überall auf, beispielsweise in @Chacon2014 oder bei Tim Pope (siehe nächstes Beispiel) oder bei "How to Write a Git Commit Message". :::

Short (50 chars or less) summary of changes

More detailed explanatory text, if necessary.  Wrap it to about
72 characters or so.  In some contexts, the first line is treated
as the subject of an email and the rest of the text as the body.
The blank line separating the summary from the body is critical
(unless you omit the body entirely); tools like rebase can get
confused if you run the two together.

Further paragraphs come after blank lines.

 - Bullet points are okay, too
 - Typically a hyphen or asterisk is used for the bullet, preceded
   by a single space, with blank lines in between, but conventions
   vary here

["A Note About Git Commit Messages" by Tim Pope on tbaggery.com]{.credits}

:::: notes Denken Sie sich die Commit-Message als E-Mail an einen zukünftigen Entwickler, der das in fünf Jahren liest!

Vom Aufbau her hat eine E-Mail auch eine Summary und dann den eigentlichen Inhalt ... Erklären Sie das "WARUM" der Änderung! (Das "WER", "WAS", "WANN" wird bereits automatisch von Git aufgezeichnet ...)

::: center Lesen (und beachten) Sie unbedingt auch "How to Write a Git Commit Message"! ::: ::::

[[Analogie E-Mail an zukünftigen Entwickler]{.ex}]{.slides}

::: notes

Ausflug "Conventional Commits"

Die Commit-Messages dienen vor allem der Dokumentation und werden von Entwicklern gelesen.

Wenn man die Messages ein wenig stärker formalisieren würde, dann könnte man diese aber auch mit Tools verarbeiten und beispielsweise automatisiert Changelogs oder Release-Texte verfassen!

Betrachten Sie einmal das Projekt ConventionalCommits.org. Dies ist ein solcher Versuch, die Commit-Messages (a) einheitlicher und lesbarer zu gestalten und (b) auch eine Tool-gestützte Auswertung zu erlauben.

Das Projekt schlägt als Erweitung der üblichen Regeln zum Formatieren von Commit-Messages vor, dass in der ersten Zeile der Summary noch eine Abkürzung für die in diesem Commit erfolgte Änderung (Bug-Fix, neues Feature, ...) vorangestellt wird. Dieser Abkürzung kann in Klammern noch der Scope der Änderung hinzugefügt werden, beispielsweise den Bereich im Projekt, der von diesem Commit berührt wird. Wenn es eine breaking change ist, also alter Code nach dieser Änderung sich anders verhält oder vielleicht sogar nicht mehr kompiliert, wird noch ein "!" hinter dem Typ der Änderung ergänzt.

Beispiel: Stellen Sie sich vor, im Dungeon-Projekt wurde ein neues Verhalten hinzugefügt.

  1. Normalerweise hätten Sie vielleicht diese Message geschrieben (angepasste Version aus Dungeon-CampusMinden/Dungeon/pull/469):

    add fight skill
    
    -   `DamageProjectileSkill` creates a new entity which causes `HealthDamage` when hitting another entity
    -   `FireballSkill` is a more concrete implementation of this
    -   Melee skills can be created with `DamageProjectileSkill` using a customised range
        -   Example: the `FireballSkill` has a range of 10, a melee would have a considerably smaller range
    
    fixes #24
    fixes #126
    fixes #224
    
  2. Mit ConventionalCommits.org könnte das dann so aussehen:

    feat: add fight skill
    
    -   `DamageProjectileSkill` creates a new entity which causes `HealthDamage` when hitting another entity
    -   `FireballSkill` is a more concrete implementation of this
    -   Melee skills can be created with `DamageProjectileSkill` using a customised range
        -   Example: the `FireballSkill` has a range of 10, a melee would have a considerably smaller range
    
    fixes #24
    fixes #126
    fixes #224
    

    Da es sich um ein neues Feature handelt, wurde der Summary in der ersten Zeile ein feat: vorangestellt.

    Die zu verwendenden Typen/Abkürzungen sind im Prinzip frei definierbar. Das Projekt ConventionalCommits.org schlägt eine Reihe von Abkürzungen vor. Auf diese Weise sollen in möglichst allen Projekten, die Conventional Commits nutzen, die selben Abkürzungen/Typen eingesetzt werden und so eine Tool-gestützte Auswertung möglich werden.

  3. Oder zusätzlich mit dem Scope der Änderung:

    feat(game): add fight skill
    
    -   `DamageProjectileSkill` creates a new entity which causes `HealthDamage` when hitting another entity
    -   `FireballSkill` is a more concrete implementation of this
    -   Melee skills can be created with `DamageProjectileSkill` using a customised range
        -   Example: the `FireballSkill` has a range of 10, a melee would have a considerably smaller range
    
    fixes #24
    fixes #126
    fixes #224
    

    Der Typ feat wurde hier noch ergänzt um einen frei definierbaren Identifier für den Projektbereich. Dieser wird in Klammern direkt hinter den Typ notiert (hier feat(game):).

    Im Beispiel habe ich als Bereich "game" genommen, weil die Änderung sich auf den Game-Aspekt des Projekts bezieht. Im konkreten Projekt wären andere Bereiche eventuell "dsl" (für die im Projekt entwickelte Programmiersprache plus Interpreter) und "blockly" (für die Integration von Google Blockly zur Programmierung des Dungeons mit LowCode-Ansätzen). Das ist aber letztlich vom Projekt abhängig und weitestgehend Geschmackssache.

  4. Oder zusätzlich noch als Auszeichnung "breaking change" (hier mit scope, geht aber auch ohne scope):

    feat(game)!: add fight skill
    
    -   `DamageProjectileSkill` creates a new entity which causes `HealthDamage` when hitting another entity
    -   `FireballSkill` is a more concrete implementation of this
    -   Melee skills can be created with `DamageProjectileSkill` using a customised range
        -   Example: the `FireballSkill` has a range of 10, a melee would have a considerably smaller range
    
    fixes #24
    fixes #126
    fixes #224
    

    Angenommen, das neue Feature muss in der API etwas ändern, so dass existierender Code nun nicht mehr funktionieren würde. Dies wird mit dem extra Ausrufezeichen hinter dem Typ/Scope kenntlich gemacht (hier feat(game)!:).

    Zusätzlich kann man einen "Footer" in die Message einbauen, also eine extra Zeile am Ende, die mit dem String "BREAKING CHANGE:" eingeleitet wird. (vgl. Conventional Commits > Examples)

Es gibt noch viele weitere Initiativen, Commit-Messages lesbarer zu gestalten und zu vereinheitlichen. Schauen Sie sich beispielsweise einmal gitmoji.dev an. (Mit einem Einsatz in einem professionellen Umfeld wäre ich hier aber sehr ... vorsichtig.) :::

Wrap-Up

  • Anlegen eines lokalen Repos mit git init
  • Clonen eines existierenden Repos mit git clone <url>
  • Änderungen einpflegen zweistufig (git add, git commit)
  • Status der Workingcopy mit git status ansehen
  • Logmeldungen mit git log ansehen
  • Änderungen auf einem File mit git diff bzw. git blame ansehen
  • Projektstand markieren mit git tag
  • Ignorieren von Dateien/Ordnern: Datei .gitignore

::: readings Sie finden den Inhalt dieser Sitzung im @Chacon2014 [Kap. 1 und 2].

Zusätzlich gibt es viele hilfreiche Tutorials wie beispielsweise die Atlassian Git Tutorials. Auf GitHub Training Kit finden Sie ein gutes Cheat-Sheet. :::

::: outcomes

  • k1: Ich kenne verschiedene Varianten der Versionierung
  • k1: Ich kann die Begriffe 'Workingcopy' und 'Repository' und 'Index' erklären
  • k2: Ich kann zwischen 'Github' und 'Git' unterscheiden
  • k2: Ich kann auf meinem Rechner lokale Git-Repositories anlegen
  • k3: Ich kann mit den Git-Befehlen zum Anlegen von lokalen Repos auf der Konsole umgehen
  • k3: Ich kann Dateien zur Versionskontrolle hinzufügen bzw. aus der Versionierung löschen
  • k3: Ich kann Änderungen (geänderte Dateien) zum Staging hinzufügen und committen
  • k3: Ich kann Unterschiede zwischen Commits herausfinden und mir die Historie des Repos anschauen
  • k3: Ich kann gezielt Dateien und Ordner von der Versionierung ausnehmen (ignorieren) :::

::: challenges Versionierung 101

  1. Legen Sie ein Repository an.
  2. Fügen Sie Dateien dem Verzeichnis hinzu und stellen Sie einige davon unter Versionskontrolle.
  3. Ändern Sie eine Datei und versionieren Sie die Änderung.
  4. Was ist der Unterschied zwischen "git add .; git commit" und "git commit -a"?
  5. Wie finden Sie heraus, welche Dateien geändert wurden?
  6. Entfernen Sie eine Datei aus der Versionskontrolle, aber nicht aus dem Verzeichnis!
  7. Entfernen Sie eine Datei komplett (Versionskontrolle und Verzeichnis).
  8. Ändern Sie eine Datei und betrachten die Unterschiede zum letzten Commit.
  9. Fügen Sie eine geänderte Datei zum Index hinzu. Was erhalten Sie bei git diff <datei>?
  10. Wie können Sie einen früheren Stand einer Datei wiederherstellen? Wie finden Sie überhaupt den Stand?
  11. Legen Sie sich ein Java-Projekt in Ihrer IDE an an. Stellen Sie dieses Projekt unter Git-Versionskontrolle. Führen Sie die vorigen Schritte mit Ihrer IDE durch. :::